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Prof. Dr. Alexander Honold (Universität Basel) zu Gast im BL3-Seminar

Am 5. Juni war Prof. Dr. Alexander Honold zu Gast im BL3-Seminar „Gottfried Keller: Die Leute von Seldwyla“ von Prof. Dr. Martin Stingelin und ging der Frage „Was hält Seldwyla zusammen?“ nach. Von Christian Burgsmüller.

Im Gegensatz zu anderen Novellenzyklen ist eine klassische Rahmensituation bei Gottfried Kellers Die Leute von Seldwyla nicht gegeben. Dennoch existieren, so Honold, einige gemeinsame Strukturelemente zwischen den einzelnen Novellen. Neben dem fiktiven gemeinsamen Handlungsort „Seldwyla“ ist zum einen die Thematik der sexuellen Frivolität zu nennen, die mehr oder weniger in allen Erzählungen angeschnitten wird. So dient Pankraz, der Schmoller als Beispiel scheiternder erotischer Freizügigkeit, das weibliche Begehren ist Sujet in Frau Regel Amrain und ihr Jüngster oder die Sexualität wird in Der Schmied seines Glückes nahezu wortwörtlich thematisiert.

Die Darstellung des Erzählvorganges an sich, eine „Inszenierung von Mündlichkeit“, ist ein weiteres die einzelnen Geschichten verbindendes Strukturelement. Besonders deutlich wird diese Inszenierung in Spiegel, das Kätzchen, in der eine Katze sich der Taktik des Erzählens bedient, um ihrer Schlachtung durch den Hexenmeister zu entgehen. Gottfried Keller spielt dabei auf ein uraltes Motiv an, welches beispielsweise bereits in den Geschichten von Tausendundeiner Nacht aufgegriffen wurde. Bei der Frage nach der zentralen Erzählinstanz des gesamten Novellenzyklus, so referierte Honold weiter, handelt es sich um eine „kollektive Mündlichkeit“. Als Untermauerung seiner These zog er das Vorkommen von sprichwörtlichen Redensarten, von „nicht belegbaren Zitaten“, heran. Dies ist vor allem im ersten Teil von Die Leute von Seldwyla signifikant.

Neben den bereits erwähnten Faktoren ist abschließend noch die Komprimierung der Handlung als weitere Gemeinsamkeit der Einzelnovellen zu nennen. Ein besonderes Augenmerk, so führte Honold weiter aus, liegt dabei auf dem Gesichtspunkt des Arbeitsbegriffs. Besonders die Hand als ausführendes Arbeitsinstrument wird immer wieder in den einzelnen Erzählungen in den Fokus gerückt (z.B. in Kleider machen Leute).

Zum Abschluss hatten die interessierten Studierenden Gelegenheit, Fragen an den Referenten zu stellen und an einer finalen Diskussionsrunde teilzunehmen, an der sie sich rege beteiligten.